Die Entstehung einer Hauptstadtregion als deutsch-belgische Beziehungsgeschichte

Vom 14. Mai - 23. Juli und vom 19. September - 31.Oktober 1972 fand zunächst im Kölner Museum Schnütgen und dann in den Brüsseler Musées Royaux d’Art et d’Histoire die bis heute größte Schau rheinisch-maasländischer Kunst statt. Unter dem Titel „Rhein und Maas. Kunst und Kultur 800-1400“ wurde sie zu einem großen Publikumserfolg, der auch in der Scientific Community der Kunsthistoriker einige Aufmerksamkeit erregte.
Die Entstehung der Ausstellung sagt einiges über die Geschichte der Wissenschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Belgien seit 1945 aus, aber auch, so die Ausgangshypothese meines Beitrags, über die Veränderungen der in Belgien vorherrschenden Mental Maps von Deutschland seit der Verlagerung des politischen Schwerpunktes an den Rhein mit der Gründung der Bundesrepublik.
Der belgische Deutschlanddiskurs knüpfte dabei durchaus an bereits bestehende Deutschlandbilder an, die gerade das Maasland als Zwischenraum inszenierten , doch kam durch das Zusammenrücken der westeuropäischen Länder im Zuge von Kaltem Krieg und beginnender europäischer Integration, gerade auch unter dem Signum des Abendlandes, eine neue Dimension ins Spiel. Mentalitätsgeschichtlich hob die rheinische Bonner Republik die durch den Ersten Weltkrieg hervorgerufene Distanz zwischen dem belgischen Staat und (West-)Deutschland auf, politikgeschichtlich fanden deutsche und belgische „Suche nach Sicherheit“ (E. Conze) ein enges Kooperationsfeld.
Zum Zentrum der belgischen Aktivität im Rheinland wurde Köln, das nach dem durch die Wahl als Regierungssitz notwendig gewordenen Verlassen Bonns durch die belgischen Truppen in Deutschland 1950 zu deren neuem Hauptquartier wurde. Dort etablierte sich zudem rasch das Belgische Haus als Drehscheibe für politischen, konsularischen, aber auch kulturellen Austausch.
Die Ausstellung „Rhein und Maas“ dient als Aufhänger für den Beitrag, der sowohl das Ende einer langen Nachkriegszeit als auch das Ankommen Belgiens in der Bonner Republik herausstellen kann. Auch die Anfang der 1970er Jahre erfolgten ersten gegenseitigen Staatsbesuche geben Aufschluss über Inszenierung und Wahrnehmung der Hauptstadtregion. Der Beitrag wirft somit eine beziehungsgeschichtliche Perspektive auf Bonn-Köln-Düsseldorf zwischen 1949 und den 1970er Jahren und fragt mit Bezug auf die Hauptstadtregion auf die belgische(n) Wahrnehmung(en) des Rheinischen, aber auch nach Rückwirkungen auf Brüssel als belgischer und europäischer Hauptstadt.

http://hdl.handle.net/10993/41034