Histoire contemporaine du Luxembourg Histoire contemporaine européenne

La revue libérale belge "Le Flambeau" et le national-socialisme (1930-1940)

Von ihrer Gründung in den letzten Kriegsmonaten 1918 bis zu Ihrem Ende in den 1970er Jahren war Le Flambeau die dominierende politische und literarische Zeitschrift des belgischen frankophonen Liberalismus. Ihre Verankerung in einem Brüsseler Mikrokosmos um die Freie Universität Brüssel, die jüdische Gemeinschaft und die lokale Sektion der Liberalen Partei und eine unerschütterliche Frankophilie waren die wichtigsten Charakteristiken des Blattes. Der Aufstieg des Nationalsozialismus wurde zumeist vom Mitbegründer der Zeitschrift Henri Grégoire, einem mit der deutschen Sprache vertrauten Professor an der Freien Universität, und von Mitgliedern der jüdischen Gemeinschaft in Brüssel analysiert. Es ist daher kaum verwunderlich, dass der Analyse des rassischen Antisemitismus eine große Rolle zukommt. Viel Raum nimmt die Frage nach dem Wesen der nationalsozialistischen „Revolution ein. Überraschend für eine liberale Zeitschrift in Belgien ist das Interesse für die Haltung der katholischen Kirche gegenüber dem Nationalsozialismus.
Dabei darf diese ideologische Auseinandersetzung nicht darüber hinweg täuschen, dass viele Autoren eher konventionelle Analysen der Außenpolitik des „Dritten Reiches“ leisten, die die Sicherheitslage Belgiens in den Mittelpunkt stellen.
Auffallend ist, dass das Erscheinen der Artikel nicht durch besondere Ereignisse strukturiert wird; zudem sind Aufsätze zur Konsolidierungsphase des Nazi-Regimes häufiger als Texte zu den Entwicklungen der zweiten Hälfte der 1930er Jahre. Dies mag damit zusammenhängen, dass viele Autoren das Regime für entschlüsselt hielten. Dabei muss jedoch festgehalten werden, dass der Einfluss der Zeitschrift auf die konkrete Ausgestaltung der belgischen Außenpolitik – die Liberalen waren zwischen 1930 und 1940 durchweg an den Regierungen beteiligt – inexistent war.
Der Beitrag argumentiert nah an den vorgestellten Texten und versteht sich insofern als ein Baustein zu einer noch zu leistenden international vergleichenden Perspektive.

http://hdl.handle.net/10993/36348